
Im Januar 2025 haben wir ein besonderes und von langer Hand geplantes Projekt abgeschlossen: die umfassende Realisierung des ATLAS-Teide Netzwerks am Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC). ATLAS (Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System) ist ein international etabliertes Frühwarnsystem zur Entdeckung erdnaher Asteroiden und wird von der University of Hawaii betrieben sowie von der NASA gefördert. Dieses Netzwerk dient dazu, potenziell gefährliche Objekte frühzeitig zu identifizieren und trägt somit wesentlich zur globalen Sicherheit bei.
Vom Prototyp zum Großprojekt
Ursprünglich startete das IAC auf Teneriffa mit einem Prototyp, der belegen sollte, dass sich auch kommerziell verfügbare Komponenten (sogenannte COTS-Bauteile, „Components off the Shelf“) für ein Teleskopnetzwerk dieser Art eignen – und das zu wesentlich günstigeren Kosten (siehe auch Atlas-P the First Module Prototype of the New Generation of Atlas Units). Der Erfolg dieses Prototyps führte zu einer längeren Ausschreibungsphase, in der verschiedene Anbieter ihre Lösungen präsentierten. Schließlich erhielt Baader Planetarium den Zuschlag für das gesamte Projekt.
Bevor sämtliche Komponenten nach Teneriffa geschickt wurden, haben wir in Mammendorf jede Einzelkomponente sorgfältig geprüft, um sicherzustellen, dass alles reibungslos funktioniert und für die anspruchsvollen Bedingungen auf dem Izaña-Plateau gerüstet ist. Erst danach verpackten wir die Bauteile und bereiteten sie für den Transport vor. Als wir die Mitteilung erhielten, dass alle Teile sicher angekommen und durch den Zoll gegangen waren, konnte der Weitertransport zur IAC-Anlage erfolgen – bereit für unsere Montageteams.
Vier Montierungen, sechzehn Teleskope
Kernstück des Systems sind vier von PlaneWave in Sonderanfertigung produzierte L-550 Montierungen, deren Abmessungen der bekannten L-500 entsprechen, ausgestattet jedoch mit den kraftvollen Motoren und der Tragfähigkeit der L-600. Auf jeder dieser Montierungen sitzen vier Celestron RASA 11" Teleskope, insgesamt also 16 Einheiten. Jeweils ausgerüstet mit und UFC-Filterschubladen mit UV/IR-Filtern, ermöglichen sie eine hocheffiziente Kartierung des Himmels.
Die Fokussierung der Teleskopsysteme erfolgt via 16x .
Sonderanfertigungen
Um diese gebündelte Teleskopleistung zu realisieren, haben wir eine eigene, massive Halte- und Justagestruktur entwickelt. Diese Spezialkonstruktion ist mit jeweils vier unserer ausgestattet, welche wiederum die vier Teleskope tragen.
An der Teleskopöffnung kommt jeweils eine 3D-gedruckte Kabelführung zum Einsatz, auch für die Fokussiermotoren wurden an unseren 3D-Druckern Sondergehäuse gefertigt.
Installation in Rekordzeit
Für den kompletten Aufbau – von der Anlieferung bis zur Inbetriebnahme – waren neun Tage eingeplant. Bereits am ersten Tag wurden mittels Kran alle Säulen, Flansche, Polhöhenwiegen und Montierungen für die vier Systeme in die Station eingehoben und installiert.
Am zweiten Tag folgte die Montage der eigens entwickelten Teleskopaufnahmen (darunter und die o.g. PAN EQ Klemmen) sowie der ersten vier RASA 11" Optiken. In den darauffolgenden Tagen brachten wir auch die restlichen RASA 11 Teleskope in Position und richteten sie am Stern aus. Anschließend kümmerte sich unser Team um das umfangreiche Kabelmanagement, um die insgesamt 16 Kabel pro System so zu verlegen, dass sie die Montierungsbewegungen nicht beeinträchtigen.
Besonders beim Kabelmanagement wurde darauf geachtet, dass die Datenleitungen für die QHY-Kameras und die Stromversorgung genau getrennt werden, um Signalrauschen zu minimieren und gleichzeitig die Bewegungsfreiheit der Montierung zu erhalten.





First Light und Datenmengen
Nach Abschluss dieser Arbeiten folgte das „First Light“. Mit Hilfe der konnten wir über drei Nächte hinweg die Kameras absolut präzise auf die optische Achse der jeweiligen Teleskope ausrichten. So wurde sichergestellt, dass alle 16 Einheiten dieselbe herausragende Bildqualität liefern. Diese Feinjustage ist für wissenschaftliche Projekte besonders wichtig, um gleichförmige und reproduzierbare Ergebnisse über das gesamte Feld zu erzielen.
Alle Systeme liefen nahezu zeitgleich, und das Ergebnis war mehr als beeindruckend. Das IAC setzt eine eigens entwickelte, Linux-basierte Software ein, die in der Lage ist, sämtliche 16 Kameras parallel zu steuern. Dadurch entstehen enorme Datenmengen, die dank eines leistungsstarken GPU-basierten Systems am IAC simultan verarbeitet werden können.





Ein wichtiger Schritt für die globale Asteroiden-Frühwarnung
Mit dem ATLAS-Teide Projekt wird das bestehende ATLAS-Netzwerk entscheidend erweitert. Die Tatsache, dass nun mehrere Teleskope gleichzeitig denselben Himmelsbereich abdecken, erlaubt eine noch schnellere und genauere Erfassung potenziell gefährlicher Objekte. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie effizient sich Astronomiesysteme realisieren lassen, wenn maßgeschneiderte Sonderanfertigungen intelligent mit COTS-Komponenten kombiniert werden.
Wir freuen uns, dass Baader Planetarium ausgewählt wurde, dieses umfangreiche Projekt zu realisieren.
Lesen Sie auch unsere Pressemitteilung: Neuer Meilenstein in der globalen Asteroiden-Frühwarnung









