Celestron

Das Celestron Origin - eine Sommergeschichte

Team Celestron
Team Celestron
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8. Oktober 2025
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Nachfolgender Text wurde uns freundlicherweise von Frau Löwe (Sternwarte Stuttgart) zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

In den letzten Jahren sind Smart-Teleskope immer stärker ins Gespräch gekommen. Sie versprechen etwas, das für viele Einsteiger und auch erfahrene Sternfreunde gleichermaßen verlockend klingt: ein unkomplizierter Zugang zu den Sternen. Kein Kabelsalat, keine komplizierten Montagen – stattdessen eine App, GPS, Star-Tracking und schon findet das Gerät seinen Platz am Himmel fast von allein.

Mich hat dabei vor allem eines gereizt: die Neugier. Wie fühlt sich so ein „smarter“ Beobachtungsansatz im direkten Vergleich zur klassischen Himmelsbeobachtung und zur Astrofotografie an, die ich seit Jahren betreibe? Und vor allem: rechtfertigt das Celestron Origin seinen Preis? Während das Seestar S50 für rund 600 € zu haben ist, liegt das Origin bei stolzen 5300 €. Ein gewaltiger Unterschied – und genau den wollte ich mir genauer ansehen.

Ich hatte vergangenen Sommer nun die Gelegenheit das Origin ausgiebig zu testen, und möchte im Folgenden über meine Erfahrungen berichten:

Erste Eindrücke – solide Verarbeitung und einfacher Aufbau

Mein erster Eindruck vom Celestron Origin – Intelligent Home Observatory (#821880 ) war ehrlich gesagt: wertig. Nichts klappert, nichts wackelt, und schon beim Anfassen merkt man, dass hier nicht gespart wurde. Die RASA Optik – mit der eingebauten Kamera – wirkt robust und professionell. Auch die beiden mitgelieferten Stative (optionales Tischstativ und reguläre Variante) haben mich überrascht: dicke Beine, alles aus Metall, kaum Kunststoff, und selbst die Kunststoffteile sind sauber verarbeitet, ohne scharfe Kanten oder billiges Gefühl. Vor allem das große Stativ bringt ordentlich Gewicht mit, was der gesamten Konstruktion eine angenehme Stabilität verleiht. „Nicht so dünner Pläpperkram“, wie man es von günstigerem Zubehör kennt.

Die Montierung ist die von Celestron bekannte azimutale Variante – grundsolide, zuverlässig und mit einem integrierten Akku ausgestattet. Wer schon einmal mit Celestron gearbeitet hat, fühlt sich hier sofort zu Hause: kein Experiment, sondern ein bewährtes System, das einfach funktioniert.

Der Aufbau? Erstaunlich unkompliziert. Stativ aufstellen, Montierung auf den Zentrierring des Stativs setzen und mit den drei Schrauben festziehen (da kann man eigentlich nichts falsch machen), das Teleskop einsetzen und mit der großen Klemmschraube fixieren – fertig. Ein Kabel anschließen, und wenn man zusätzlich eine Stromversorgung benötigt, kommt noch ein zweites dazu. Mehr braucht es nicht. In wenigen Minuten ist das Origin startklar, ganz ohne Fummelei.

Einschalten lässt sich das Ganze dann denkbar simpel: ein Kippschalter – On oder Off, mehr Optionen gibt es nicht. Anders als bei vielen anderen Celestron-Produkten liegt kein separates Handgerät bei, die Steuerung läuft ausschließlich über die Origin-App. Sobald das Teleskop eingeschaltet ist, beginnt am unteren Ende der Optik ein Ring rot zu leuchten, sobald dieser von einer Kreisbewegung auf Dauerbeleuchtung umgeschaltet hat, ist das eigene WLAN-Netzwerk aufgebaut, über das man sich mit Handy oder Tablet verbindet, um dann per App Zugriff auf das System zu bekommen.

Ready to go - Das Origin aufgebaut im Akkubetrieb auf dem Standard-Stativ

Praxiserfahrungen – von Sonne bis Sternenhimmel

Schon bei den ersten Tests am Tag fiel mir ein interessanter Punkt auf: Sobald man das Gerät einschaltet, während die Sonne noch über dem Horizont steht, gibt die App sofort eine Warnung aus. Clever – denn das schützt davor, unbedacht ohne Filter zu beobachten. Ich habe mir direkt auch den passenden Sonnenfilter ASTF 160 – AstroSolar Teleskop Filter OD 5.0 (#2459314 , € 143,- ) bestellt, mit dem man das Origin auch tagsüber gefahrlos nutzen kann. Wichtig ist dabei allerdings: Um bei Tageslicht Beobachten zu können, muss die App im Demo-Modus betrieben werden. Das bedeutet, dass sich das Teleskop nicht automatisch ausrichtet. Stattdessen muss man das gewünschte Objekt – in diesem Fall die Sonne – selbst einstellen. Hat man sie aber einmal sauber im Bild zentriert, kann man über die App eine Eingabe machen, welches Objekt zentriert ist und dementsprechend übernimmt die Montierung dann die Nachführung. Und das funktioniert erstaunlich präzise.

Bei Nacht wird es noch komfortabler. Sobald die App verbunden ist, bietet sie direkt eine Kalibrierung an. Das Teleskop fährt dabei selbstständig mehrere Punkte am Himmel an, erfasst Sterne und gleicht das Ganze mit den GPS-Daten des verbundenen Handys oder Tablets ab. Dieser Prozess dauert nur wenige Minuten, und schon ist das GoTo-System einsatzbereit. Ab diesem Moment springt das Origin zuverlässig zu den gewählten Objekten – ganz ohne manuelles Justieren.

Die App selbst ist dabei sehr intuitiv aufgebaut. Es gibt eine Live-View mit einfachen Pfeiltasten, über die man das Teleskop auch manuell bewegen kann. Ist die Kalibrierung abgeschlossen, genügt ein Fingertipp auf das gewünschte Objekt auf der stilisierten Sternkarte, die sich am aktuellen Standort orientiert, und das Teleskop fährt diesen Punkt dann selbstständig an, zentriert ihn und stellt den Fokus automatisch ein.

Kleinere Schwächen hat die Fokussier-Automatik allerdings schon. An einem leicht diesigen Abend hatte sie große Mühe, den optimalen Schärfepunkt zu finden. Auch der initiale Schritt, bei dem das System zuerst vom letzten Fokuspunkt ein gutes Stück „wegfährt“, erschien mir manchmal unnötig weit. In der überwiegenden Zahl der Fälle klappt der Autofokus aber gut – und wer möchte, kann jederzeit manuell in der App nachjustieren.

Besonders gelungen fand ich den Objektkatalog. Gerade für Einsteiger ist das eine echte Bereicherung: Die App schlägt automatisch Himmelsobjekte vor, die von der aktuellen Position aus sichtbar sind. Wer also noch keine konkrete Beobachtungsliste im Kopf hat, kann sich einfach von der App auf eine kleine Reise durch den Nachthimmel führen lassen.

Die App – mehr als nur Einsteigerfreundlich

Für den Standard-Nutzer reichen die Basisfunktionen der App völlig aus, um mit dem Origin den Nachthimmel zu erkunden. Live-View, GoTo, Autofokus und der Objektkatalog – das ist schon genug, um beeindruckende Einblicke zu bekommen, ganz ohne große Vorkenntnisse.

Richtig spannend wird es jedoch in den erweiterten Einstellungen, die vor allem fortgeschrittene Nutzer ansprechen. Besonders positiv aufgefallen ist mir die Option, einen maximalen Schwenkwinkel festzulegen. Klingt unspektakulär, ist aber enorm praktisch: Die Optik des Origin ist relativ groß, weshalb eine 360° Drehung um die Höhenachse nicht möglich ist, ohne dass das Teleskop an die Montierung stoßen würde. Diese kleine, aber clevere Funktion verhindert das zuverlässig – ein Detail, das viel Frust erspart.

Auch die Steuerung der Belichtungszeiten ist gut gelöst. Im azimutalen Betrieb liegt das Maximum bei 30 Sekunden, was für viele Deep-Sky-Objekte ausreicht. Mit einem zusätzlichen Keil lässt sich das Origin auch parallaktisch nutzen und dadurch noch länger belichten – diesen Modus konnte ich allerdings nicht selbst testen. Ergänzend lassen sich Darks und Flats direkt über die App erstellen. Praktisch: es gibt ein integriertes Master-Dark, das bei Bedarf jederzeit neu aufgenommen werden kann.

Darüber hinaus bietet die App weitere Stellschrauben, die man sonst nur von klassischer Astrofotografie kennt: Steuerung des Kamera-Lüfters, Setzen von Grenzen für den Autofokus (z. B. Neufokussierung bei Temperaturwechseln oder Objektwechseln), Aktivieren der Tauheizung und verschiedene Optionen zur Bildverarbeitung. Dazu gehören unter anderem Deconvolution, KI-Unterstützung und Rauschunterdrückung. Das ist schon ein ziemlich beeindruckendes Paket, das zeigt: das Origin will nicht nur Einsteiger glücklich machen, sondern bietet auch erfahrenen Nutzern einige Profi-Tools.

Beobachtungen und Ergebnisse – Astrofotografie leicht gemacht

Wenn das komplette Setup steht, wird der Rest fast schon zur Nebensache – im positiven Sinne. Das Celestron Origin übernimmt nämlich ab diesem Punkt die Arbeit selbst: Es nimmt automatisch Serienaufnahmen mit der gewählten Belichtungszeit auf und stackt die Bilder direkt intern. So entsteht schon nach kurzer Zeit ein erstaunlich klares und detailreiches Ergebnis, ganz ohne zusätzliche Software oder manuelles Eingreifen.

Mit wenig Aufwand lässt sich die Bildqualität sogar noch weiter verbessern. Das Origin verfügt über eine Aufnahme für 2-Zoll-Filter, etwa für Nebelfilter, die bei Emissionsnebeln oder lichtverschmutztem Himmel eine deutliche Verbesserung bringen. Besonders schön: Über den Live-View auf dem Handy oder Tablet kann man in Echtzeit verfolgen, wie das Bild entsteht. Man sieht sofort, wenn Frames verworfen werden – zum Beispiel durch Interferenzen oder Bewegungen, die zu viele Informationsverluste im Frame verursachen. Auch Flugzeuge oder Satelliten werden automatisch erkannt und entfernt. Zwar geht dabei in der Regel ein komplettes Einzelbild verloren, aber bei den typischen Belichtungszeiten von maximal 30 Sekunden fällt das kaum ins Gewicht.

Die Ergebnisse sprechen für sich (bitte aufklappen):

Bildergebnisse Kugelsternhaufen

Auch ohne stundenlange Belichtungszeiten entstehen schnell ästhetisch ansprechende Bilder. Vor allem Kugelsternhaufen lassen sich mit nur wenigen Aufnahmen gestochen scharf darstellen – etwa M11, M92 oder M13. Besonders auffällig: selbst die Sterne an den Bildrändern bleiben sauber und unverzerrt, was für eine sehr gute optische Korrektur spricht. Einzelsterne und Doppelsterne wie Kuma oder Gamma Cygni werden klar abgebildet – nur sollte man hier auf zu lange Belichtungszeiten verzichten, um ein Ausbrennen zu vermeiden.

Bildergebnisse Galaxien

Auch Galaxien kommen erstaunlich gut heraus. In meinen Tests – beispielsweise M51 und M101 – zeigte das Origin fein strukturierte Spiralarme und einen klaren Kernbereich. Farblich unterscheiden sich die Ergebnisse allerdings schon deutlich von Bildern, die mit klassischer Ausrüstung aufgenommen und manuell gestackt wurden. So fehlen bei M51 etwa die bläulichen Töne weitgehend. Das ist aber kein echtes Problem, da man über die USB-Schnittstelle des Origin die Rohdaten herunterladen und nach eigenem Geschmack weiterverarbeiten kann.

Ein kleiner Wermutstropfen: In meinem Test hatte PixInsight Schwierigkeiten, die einzelnen Frames des Origin korrekt einzulesen, wodurch ein manuelles Stacken nicht möglich war. Dieses Problem ist laut Celestron bereits bekannt und wird mit einem künftigen Update behoben. Sobald das funktioniert, ließe sich etwa über eine Astrophotometric Color Calibration in PixInsight die Farbdarstellung korrigieren – und auch dieses Thema wäre damit erledigt.

Bildergebnisse Nebel

Kommen wir aber zu den größeren Herausforderungen: Nebel. Diese stellen natürlich eine ganz eigene Herausforderung dar – schlicht, weil sie im Vergleich zu Sternhaufen oder Galaxien oftmals sehr lichtschwach sind und in Bereichen des Spektrums existieren, die ebenfalls schwerer abzudecken sind. In meinem Testzeitraum waren aufgrund der Jahreszeit und meines Standorts nur zwei geeignete Objekte erreichbar: der Adlernebel (M16) und die Region um Sadr im Sternbild Schwan.

Der Adlernebel ließ sich bereits mit einer Gesamtbelichtungszeit von rund 900 Sekunden erstaunlich gut darstellen. Die charakteristischen Strukturen waren klar zu erkennen, und auch die Hintergrundsterne blieben sauber abgegrenzt. Bei der Region um Sadr zeigte sich hingegen, wie stark die Leistungsgrenze des Systems von den Beobachtungsbedingungen abhängt: selbst mit über 6000 Sekunden Belichtungszeit waren nur die zentralen Bereiche schwach sichtbar.

Allerdings muss man dazu sagen, dass es sich bei der Region um Sadr um ein ausgeprägtes H-II-Gebiet handelt – und hier kann der verwendete Nebelfilter tatsächlich mehr Informationen unterdrücken, als einem lieb ist. Das erklärt wahrscheinlich, warum das Ergebnis trotz langer Belichtung vergleichsweise kontrastarm blieb.

Fazit – viel Potenzial in einem beeindruckenden Gesamtpaket

Insgesamt hat mich das Celestron Origin wirklich beeindruckt. Der Aufbau ist kinderleicht, die Bedienung intuitiv, und selbst ohne tiefes technisches Wissen lassen sich innerhalb kürzester Zeit ästhetisch ansprechende Aufnahmen erzeugen. Damit ist das System ausgesprochen einsteigerfreundlich – und zugleich durch die erweiterten Funktionen auch für erfahrene Astrofotografen interessant, die mehr Kontrolle und Feinjustierung wünschen.

Ein Punkt, der allerdings nicht unerwähnt bleiben darf, ist die Größe und das Gewicht. Das Origin ist definitiv kein kompaktes Reiseteleskop. Man braucht nicht nur Platz im Kofferraum, sondern idealerweise auch eine stabile Transportlösung. Zudem muss das Hauptstativ auch noch separat transportiert werden. Das geht zulasten der Mobilität und ist sicherlich ein Aspekt, den man beim Kauf bedenken sollte.

Dafür bekommt man ein solides, optisch starkes Teleskop, das mit minimalem Aufwand sehr schnell überzeugende Ergebnisse liefert. Mit einigen Software-Verbesserungen – etwa bei der Verarbeitung der Rohdaten und der Möglichkeit, selbst zu stacken oder nachzubearbeiten – dürfte sich das Potenzial des Systems noch deutlich erweitern. Auch die Option, eigene 2-Zoll-Filter zu verwenden, eröffnet viele zusätzliche Möglichkeiten. In meinem Test kam nur ein einfacher Nebelfilter zum Einsatz, hier ließe sich mit hochwertigeren Varianten sicher noch mehr herausholen.

Spannend wäre zudem der parallaktische Betrieb mit dem optionalen Keil, der längere Belichtungszeiten ermöglicht und damit das Bildsignal weiter verbessern könnte. Das konnte ich selbst nicht testen, halte es aber für ein interessantes Feld, in dem das Origin noch einmal deutlich zulegen könnte.

Alles in allem hinterlässt das Celestron Origin bei mir einen sehr positiven Eindruck – es ist leistungsstark, durchdacht und macht Astrofotografie so einfach wie nie. Gleichzeitig sehe ich aber auch noch Luft nach oben, gerade in Bezug auf Software und Handhabung. Für den aufgerufenen Preis darf man das erwarten. Trotzdem: Das Origin ist ein spannender Schritt in Richtung der Zukunft der Astrofotografie – und ich bin gespannt, wohin die Reise noch führt.

Vergleich – Celestron Origin vs. Seestar S50

Natürlich lässt sich ein Vergleich zu anderen Smart-Teleskopen kaum vermeiden – auch wenn die Geräte in völlig unterschiedlichen Kategorien spielen. Ich selbst besitze einen Seestar S50, und man muss es ehrlich sagen: Im Bereich der Smart-Teleskope ist der Seestar derzeit der ungeschlagene Platzhirsch.

Im direkten Vergleich zum Origin zeigt sich schnell, wo die beiden Systeme ihre Stärken und Schwächen haben. Die Software des Seestar ist in ihrer Funktionstiefe und den individuellen Einstellmöglichkeiten nicht ganz so umfangreich wie die des Origin. Auch die Auflösung des S50 liegt spürbar unter der des größeren Celestron-Modells, und das Rauschen wird bei langen Stackzeiten deutlich sichtbarer. Dafür punktet der Seestar mit zwei unschlagbaren Argumenten: Preis und Mobilität.

Der Seestar kostet nur einen Bruchteil des Origin und ist dabei so kompakt, dass er problemlos ins Handgepäck passt – selbst auf Flugreisen. Für spontane Sessions oder kurze Beobachtungen ist er das perfekte „Grab-and-Go“-Teleskop. Das Origin hingegen ist ein anderes Kaliber: größer, schwerer, leistungsfähiger – und klar auf ambitioniertere Anwendungen ausgelegt.

Ist der enorme Preisunterschied also gerechtfertigt?
Meine ehrliche Antwort: Man kann die beiden Geräte eigentlich nicht direkt vergleichen. Beide haben ihre ganz eigene Daseinsberechtigung. Der Seestar ist ideal für Reisen, schnelle Setups und für alle, die einfach Freude an unkomplizierter Astrofotografie haben. Das Origin hingegen bewegt sich in einem anderen Bereich – irgendwo zwischen Einstieg und Semi-Profi. Es bietet die Flexibilität, Funktionsvielfalt und Bildqualität, die man sonst nur aus der klassischen Astrofotografie kennt. Und wer weiß: Mit weiteren Software- und Hardware-Updates könnte das Origin künftig sogar den Schritt in den professionellen Bereich schaffen.